15.07.25
Lenovo ThinkCentre Tiny M920q vs. ThinkStation P330 Tiny
Auf den ersten Blick gibt es kaum Unterschiede zwischen Lenovo Mini PC Modellen M920q und P330 Tiny. Spätestens beim Preis fällt auf, die kompakte Workstation der ThinkStation Serie wohl doch mehr bieten muss als der Mini Office PC der ThinkCentre Reihe. Doch was genau?
Gemeinsamkeiten der beiden Mini PCs
Trotz ihrer unterschiedlichen Ausrichtung teilen sich beide Modelle der Lenovo Tinys einige Merkmale. Sie basieren beide auf der Lenovo "Tiny"-Plattform, teilen sich daher die folgenden Eigenschaften:
- Formfaktor: Beide PCs sind extrem kompakt (ca. 1 Liter Volumen) und haben identische Abmessungen.
- Robustheit: Beide Geräte sind nach dem Militärstandard MIL-STD-810G getestet. Das bedeutet eine hohe Langlebigkeit und Widerstandsfähigkeit gegen Stöße, Vibrationen und extreme Temperaturen.
- Eignung für Windows 11: Beide Mini PCs bringen TPM 2.0 sowie SecureBoot mit. Somit sind sowohl der Lenovo P330 Tiny als auch der M920q offiziell für Windows 11 geeignet. Darüber hinaus bietet Lenovo eine offizielle Zertifizierung für Linux an (in diesem Fall ab Ubuntu 16.04 aufwärts)
- Grundlegende Konnektivität: Die Standard-Anschlussausstattung an Front- und Rückseite ist identisch und bietet eine Auswahl an USB-A, USB-C, DisplayPort und HDMI-Anschlüssen. Auch die verfügbaren optionalen Ports für beide Lenovo Minis sind gleich.
- LAN, WLAN & Bluetooth: LAN / Gigabit-LAN ist in beiden Fällen ausgestattet. Funkverbindungen für WLAN & Bluetooth sind dagegen optionale Ausstattungsmerkmale. Erkennbar sind diese an der externen Antenne auf der Rückseite. Eine zweite, interne Antenne befindet sich "unsichtbar" hinter der Kunststoff-Front an der Vorderseite.
Die Unterschiede des ThinkStation P330 Tiny zum M920q
Der P330 Tiny ist eine kompakte Workstation der Lenovo P-Serie. Er bringt daher einige besondere Eigenschaften mit, die dem Office-Mini-PC M920q fehlen:
- Grafikleistung: Dies ist der wichtigste Unterschied. Während der M920q ausschließlich auf die im Prozessor integrierte Intel-Grafik angewiesen ist, kann der P330 Tiny mit einer dedizierten NVIDIA Quadro Grafikkarte (P620 oder P1000) ausgestattet werden. Diese professionellen GPUs sind für CAD-, 3D-Modellierungs- und andere grafikintensive Anwendungen optimiert und bieten eine deutlich höhere Leistung als die integrierte GPU. Die dedizierten GPUs können sogar eingeschränkt für KI-Anwendungen genutzt werden. Ein Upgrade der Grafikkarten ist möglich, z.B. auf eine Nvidia T400, T600, T1000 oder A1000. Dies ist möglich durch die geringen Maße, welche durch die kompakten Nvidia-Karten seit Jahren eingehalten werden.
- Zweite m.2 SSD: Der P330 Tiny hat Platz für zwei m.2 SSDs zusätzlich zu einem 2,5" Laufwerk, während der M920q nur einen M.2-SSD-Slot hat. Dies ermöglicht leistungsfähigere und flexiblere Speicher-Konfigurationen in der Workstation. Anzumerken ist hier, dass das 2,5" Laufwerk beim P330 Tiny entfällt, wenn dieser mit einer dedizierten Grafikkarte bestückt ist. Hierbei wird derselbe Platz im Inneren des Gehäuses belegt.
- ISV-Zertifizierungen: Die ThinkStation P330 Tiny verfügt über ISV-Zertifizierungen (Independent Software Vendor). Das bedeutet, dass führende Softwarehersteller (z.B. Autodesk, Dassault Systèmes, Siemens) die Hardware getestet und für den reibungslosen Betrieb mit ihren professionellen Anwendungen zertifiziert haben. Dem M920q fehlt diese spezialisierte Zertifizierung.
- Äußeres: Wie auch der M920x hat der P330 Tiny ein rundes Lüftungsgitter auf der Oberseite. Daran kann man die Geräte am einfachsten unterscheiden. Dies ist der Lufteinzug für eine optionale Grafikkarte. Die verbauten dGPUs haben einen eigenen Lüfter. Sie werden nicht mehr vom CPU-Lüfter gekühlt, wie es beim Vorgänger P320 Tiny der Fall war.
Wir fassen zusammen: Lenovo M920q vs. P330 Tiny
Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede fassen wir in einer übersichtlichen Tabelle zusammen:
| Lenovo ThinkCentre M920q Tiny | Lenovo ThinkStation P330 Tiny | |
|---|---|---|
| Prozessoren | Intel 8./9. Gen Prozessoren Celeron, Pentium, Core i3, i5, i7 oder i9 | Intel 8./9. Gen Prozessoren Celeron, Pentium, Core i3, i5, i7 oder i9 auch leistungsstärkere non-T-Modelle mit 65W TDP |
| Chipsatz | Intel Q370 Chipset | Intel Q370 Chipset |
| Arbeitsspeicher | 2 SO-DIMM Slots, non-ECC bis zu 32GB DDR4-2666Mhz bis zu 64GB DDR4-3200Mhz |
2 SO-DIMM Slots, non-ECC bis zu 32GB DDR4-2666Mhz bis zu 64GB DDR4-3200Mhz |
| Speicher | 2,5" HDD/SSD, M.2 SSD (PCIe NVMe) | 2,5" HDD/SSD (entfällt bei Einsatz einer dedizierten Grafikkarte) bis zu zwei M.2 SSDs (PCIe 3.0) mit RAID 0/1 Unterstützung |
| Grafik (Integriert) | Intel UHD Graphics 610/630 im Prozessor | Intel UHD Graphics 610/630 im Prozessor |
| x8 PCIe Slot | Meist nicht bestückt Optional: Intel Ethernet Server Adapter I350-T4, 4x RJ-45 (anstelle des 2,5" Laufwerks) |
Optional: Intel Ethernet Server Adapter I350-T4, 4x RJ-45 (anstelle des 2,5" Laufwerks) Optional: Nvidia Quadro P620 oder P1000 |
| Anschlüsse vorne | 1x USB-A 3.1 Gen1 1x USB-C 3.1 Gen1 Mikrofon, Kopfhörer / Mikrofon-Kombi |
1x USB-A 3.1 Gen1 1x USB-C 3.1 Gen1 Mikrofon, Kopfhörer / Mikrofon-Kombi |
| Anschlüsse hinten | 2x USB-A 3.1 Gen 2 2x USB-A 3.1 Gen1 1x RJ-45 LAN 1x DisplayPort 1x HDMI 2x optionale Ports - z.B. DisplayPort, HDMI, VGA, RS232, USB-C optionale Ports entfallen bei Einsatz einer 4x Port LAN-Netzkarte |
2x USB-A 3.1 Gen 2 2x USB-A 3.1 Gen1 1x RJ-45 LAN 1x DisplayPort 1x HDMI 2x optionale Ports - z.B. DisplayPort, HDMI, VGA, RS232, USB-C optionale Ports entfallen bei Einsatz einer 4x Port LAN-Netzkarte oder dGPU |
| Videoausgänge | Bis zu 3 unabhängige Displays Max. 4096x2304@60Hz Gesamtauflösung |
Bis zu 3 unabhängige Displays mit integrierter Grafik Max. 4096x2304@60Hz Gesamtauflösung Bis zu 6 unabhängige Displays mit Nvidia Grafikkarte. Bis zu zwei Monitore: 5120x2880 @60Hz Bis zu vier Monitore: 4096x2160 @60Hz |
| Netzteil | 65W, 90W oder 135W | 135 Watt |
| Abmessungen (BxTxH), jeweils mit Gummifüßen | 79 x 183 x 37 mm | 79 x 183 x 37 mm |
| Gewicht | ca. 1,32 kg | ca. 1,32 kg |
| Fernverwaltung | Intel vPro-Technologie für Fernwartung | Intel vPro-Technologie für Fernwartung |
| Betriebssystem | Windows 10 und Windows 11 (Pro) sind möglich Zertifiziert für Linux (ab Ubuntu 16.04 aufwärts) |
Windows 10 und Windows 11 (Pro) sind möglich Zertifiziert für Linux (ab Ubuntu 16.04 aufwärts) |
Konfigurationen sind teils regionsabhängig. Details siehe Lenovo PSREF, Quellen: offizielle Datenblätter, siehe nachfolgenden Abschnitt.
Quellen für die technischen Details: Datenblätter der beiden Tiny-PCs
- Lenovo ThinkCentre M920q - Datenblatt des Herstellers (Englisch)
- Lenovo ThinkStation P330 - Datenblatt des Herstellers (Englisch)
Fazit: Welcher ist nun der Bessere der beiden Tinys?
Das kommt ganz auf den Einsatzzweck und das Budget an: Für gewöhnlich sind die M920q Tinys günstiger auf dem refurbished Markt zu bekommen. Bei typischen Office-Anwendungen und Büro-Tätigkeiten bei Privatanwendern (auch im Home-Office), Unternehmen und Behörden stehen Sie dem P330 Tiny in nichts nach.
Der Aufpreis zum Lenovo P330 Tiny lohnt sich besonders dann, wenn eine dedizierte Grafikkarte benötigt wird (z.B. für ein Multi-Monitor-Setup mit 4k Monitoren) und/oder eine zweite m.2 SSD intern verbaut werden soll. Tätigkeiten wie Foto- oder Video-Bearbeitung, CAD-Arbeiten sowie 3D-Modellierungen sind damit ebenso möglich.
Weiterführende Links:
- Überblick der Lenovo Tiny Modelle auf dem refurbished Markt
- Vergleich der Lenovo ThinkCentre Tiny M720q, M920q und M920x Tinys
- Vergleich der Lenovo ThinkCentre Tiny M710q, M910q und M910x
- Vergleich der Lenovo Mini PCs: ThinkCentre M70q vs. M75q vs. M90q
- Ratgeber: Refurbished Mini PCs als Server einsetzen